Zukunftsprognose Tagesgeld: Steigende Zinsen in 2010

Leitzinsen und Tagesgeld - so reagieren Sie am bestenAm 5. November 2009 beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Grundlage seiner regelmäßigen wirtschaftlichen und monetären Analyse, die Leitzinsen unverändert zu belassen, da er die Wirtschaft noch vor schwierigen Monaten sieht, im nächsten Jahr jedoch eine Erholung der Konjunktur erwartet.

Nach Einschätzung von Experten wird der Leitzins in der Euro-Zone noch bis etwa Sommer 2010 bei seinem historischen Tiefstand von einem Prozent liegen. Analysten rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank erst im dritten Quartal 2010 die Zinsen auf etwa 1,25 Prozent erhöhen wird.

Lesen Sie im nachfolgenden Artikel, was niedrigen Zinsen für Anleger und Banken bedeuten und wie Sie auf die derzeitige Situation angemessen reagieren.

Was bedeutet ein niedriger Leitzins für Anleger?

Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Menschen hierzulande recht wenig mit dem Leitzins beschäftigt und wussten teils gar nicht, welche Bedeutung eine Veränderung des Leitzinses auf ihre Spareinlagen bzw. Geldanlagen haben kann. Die Finanzkrise hat jedoch bewirkt, dass das Interesse der Anleger gestiegen ist, insbesondere nachdem der Leitzins innerhalb eines halben Jahres mehrere Male gesenkt wurde, bis er den historischen Tiefstand von einem Prozent erreichte und die Anleger eine wichtige Regel lernten: Sinkt der Leitzins, sinken auch die Zinsen für Geldanlagen, was zur Folge hat, dass sich die Rendite beim Vermögensaufbau verringert.

Wer Anfang des vergangenen Jahres beispielsweise ein Tagesgeldkonto eröffnete, und manche Banken warben ja mit bis zu 6% Zinsen, der hat seit Januar 2009 die Auswirkungen des sinkenden Leitzinses erfahren – die erhoffte Rendite fiel mager aus. Mittlerweile sind die Zinsen für Tagesgeld bei allen Banken drastisch gesunken. Die einzigen, die am niedrigen Leitzins verdienen sind die Banken, denn diese verdienen viel Geld mit dem Geld, dass sie sich zu einem Leitzins von nur einem Prozent bei der Europäischen Zentralbank leihen können.

Festgeldanlagen bei niedrigem Leitzins

Die Zinssätze für Festgeldanlagen zwischen einer Woche und zwei Jahren sind derzeit so niedrig, dass es sich kaum noch lohnt, Geld fest anzulegen. Bis zum Anstieg der Leitzinsen ist Kurzzeitanlegern daher eher eines der vielen Tagesgeldangebote verschiedener Banken zu empfehlen. Wie niedrig die Zinssätze für Festgeld aufgrund des sehr niedrigen Leitzinssatzes momentan sind, verdeutlicht das Beispiel der Citibank, die hier stellvertretend für viele andere Banken steht, denn kaum eine Bank gewährt zur Zeit höhere Zinsen. Die seit dem 11.11.2009 geltenden Zinssätze für das Citibank Festgeld sind wie folgt: 7-29 Tage 0,15% p.a., 30-89 Tage 0,20% p.a., 90-179 Tage 0,45% p.a., 180-359 Tage 0,80% p.a., 1 Jahr 1% p.a., 2 Jahre 1,85% p.a., und bei sechs Jahren gibt es gerade mal 3,60%. Wer mehr Zinsen für sein Geld möchte, wird anhand eines Tagesgeldvergleichs feststellen, dass die besten Anbieter genauso „hohe“ Zinsen bieten wie die Festgeldanlage der meisten Banken derzeit verspricht.

Wer sich zu früh „festlegt“, kann verlieren

Sollten die Analysten Recht behalten und die Zinsen im dritten Quartal 2010 zunächst auf 1,25% und im vierten Quartal weiter auf 1,5% steigen, empfiehlt es sich, sein Geld bis zur „Zinswende“ auf einem Tagesgeldkonto zu parken oder es höchstens für sechs Monate fest anzulegen. Beide Alternativen haben jedoch Vor- und Nachteile.

Parkt man sein Geld auf dem Tagesgeldkonto riskiert man unter Umständen, dass die Banken die Tagesgeldzinsen bis dahin noch weiter senken – denn garantiert sind sie zur Zeit nur bis März 2010. Wer sein Geld bis Sommer 2010 nicht unbedingt benötigt, kann es deshalb für sechs Monate festlegen und dann, wenn die prognostizierten höheren Zinsen kommen, eine längerfristige Anlage wählen. Zwar bekommt man bei der sechsmonatigen Anlage weniger Zinsen als auf dem Tagesgeldkonto, hat aber den Vorteil, dass die – wenn auch niedrigen – Zinsen für die Festgeldanlage während der Anlagezeit garantiert sind und nicht weiter fallen. Wer allerdings flexibel bleiben möchte, der verliert bei einer Anlage auf einem Tagesgeldkonto gegenüber dem Festgeldkonto nur sehr wenig.


Artikel: Cornelia Lohs
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