RaboDirect: „Wir reden Klartext und bieten ein Angebot ohne Nebenbedingungen“

Klaus VehnsDie Raiffeisen-Boerenleenbank – oder kurz Rabobank – ist seit Juni auch auf dem deutschen Markt mit einem Tagesgeld-Produkt vertreten. Zudem bietet die holländische Finanzgruppe mit RaboDirect30 und RaboDirect90 zwei weitere Sparvarianten an, die auf den Grundsätzen des flexiblen Tagesgeldkontos beruhen.

Tagesgeld.org sprach mit Klaus Vehns, General Manager RaboDirect Deutschland, über die Erfahrungen der ersten Wochen und wollte wissen, warum immer mehr Institute aus den Niederlanden im deutschen Sparer Potenzial sehen. 

Tagesgeld.org: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Start in Deutschland. Wie ist Ihr persönliches Fazit der ersten Wochen?

Klaus Vehns: Die deutschen Sparer honorieren, dass wir offen zeigen, woher wir kommen und welche Wurzeln RaboDirect hat. Die Rabobank gilt als die sicherste nicht-staatliche Bank der Welt und diesen Wert wissen insbesondere die Deutschen in der jetzigen Zeit zu schätzen. Hinzu kommen die attraktiven Konditionen ohne jede Nebenbedingung. Transparenz, Sicherheit und gute Zinsen – das überzeugt die Menschen.

Seit unserem Start Ende Juni und dem Beginn unserer TV-Kampagne am 16. Juli nehmen die Kontoeröffnungen trotz der Sommerphase jeden Tag zu. Bereits jetzt liegen wir bezüglich Kundenzahl und Einlagevolumen deutlich über unseren Planungen.

Tagesgeld.org: Nach der ABN AMRO Bank (MoneYou) sind Sie ein weiteres niederländisches Finanzinstitut, das in Deutschland mit einem Direct Banking-Ableger an den Start geht. Sind deutsche Kunden eine rentable Zielgruppe? Oder worauf basiert die „Gründungseuphorie“?

Klaus Vehns: Als unmittelbare Nachbarn gibt es ein tieferes Verständnis bezüglich der Bedürfnisse der deutschen Sparer. Die Sparneigung in beiden Ländern ist ähnlich, allerdings sind wir in Holland mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent an einem Sättigungspunkt unseres Wachstums angekommen. Nachdem wir bereits in Belgien, Australien, Neuseeland, Irland und Polen mit einem Online-Banking-Angebot aktiv sind, war es an der Zeit auch im größten europäischen Sparmarkt aktiv zu werden.

Wir kombinieren klassisches Tagesgeld mit Innovationen wie RaboSpar30 mit 30-tägiger Verfügbarkeit und begeistern damit auch die traditionellen Sparbuchinhaber. Die attraktiven Zinsen bei gleichzeitig hoher Sicherheit eröffnen uns neue Kundengruppen, die bislang noch nicht im Online-Banking aktiv waren.

Tagesgeld.org: Sie sprachen gerade über RaboSpar 30. Zusammen mit RaboSpar 90 bieten sie neben dem klassischen Tagesgeldkonto auch diese zwei Spar-Varianten an. Können Sie uns diese kurz erklären?

Liesbeth RigterAlternativen zum Tagesgeld: RaboSpar30 und RaboSpar90.

Klaus Vehns: Da die meisten Tagesgeldkunden ihr Spargeld nicht tagesaktuell benötigen, aber trotzdem spontan darüber verfügen wollen, liegt unser Schwerpunkt auf kurzfristigen Sparformen mit besonders attraktiven Zinssätzen. Mit den Sparprodukten RaboSpar 30 und 90 bieten wir eine innovative Kombination von mittelbarer Verfügbarkeit mit noch höheren Zinsen an. Für Geld, das mit einer Vorlaufzeit von 30 Tagen verfügbar ist (RaboSpar 30), liegt der Zinssatz aktuell bei 2,55 Prozent. Bei 90-tägiger Verfügbarkeit (RaboSpar 90) lässt sich sogar ein Zinssatz von 2,7 Prozent realisieren. Besonderen Wert legen wir zudem darauf, dass unsere Kunden Tagesgeld und längerfristige Sparanlagen flexibel kombinieren und ihr Kapital noch weiter steigern können.

Tagesgeld.org: Ihr Ziel ist es, auch bislang dem Online-Banking noch kritisch gegenüberstehende Kunden von ihrem Angebot zu überzeugen. Welche Argumente sprechen dabei für RaboDirect und welche Maßnahmen sind geplant?

Klaus Vehns: Die eher konservativen Kunden wollen wir vor allem mit unserem innovativen Produktportfolio überzeugen, das sowohl auf konservatives als auch auf flexibles Sparen ausgelegt ist. Für RaboDirect liegt der Fokus nicht ausschließlich auf Tagesgeld. Wir bieten Kombination und eine Erweiterung für den Kunden, der das Tagesgeld zwar als Ausgangsprodukt nutzt, aber dann weitere bedürfnisorientierte, kurzfristige Sparkonten sowie Festgeldkonten eröffnen kann.

Es werden weitere Innovationen folgen, die nicht nur Online-Kunden, sondern auch nicht so extrem onlineaffine Kunden anziehen werden.

Tagesgeld.org: Der persönliche Kundenkontakt gehört zu einem der bei Ihnen geltenden Leitsätze. Für eine Direct Bank klingt das erst einmal komisch, geht es doch bei dieser Art von Finanzangebot in erster Linie, um die administrativ einfach aufgestellte Abwicklung. Wie muss ich mir als Kunde die Betreuung bei Ihnen vorstellen?

Klaus Vehns: Unsere Bank lebt von unseren Menschen und den erfahrbaren Werten. Das machen wir sichtbar. Unser Kunden werden ausschließlich durch unser Team in Frankfurt betreut und eben nicht von einem Customer-Care-Center im Ausland.

Zudem reden wir Klartext und bieten ein Angebot ohne Nebenbedingungen, versteckte Klauseln oder Lockangebote. Das erleben unsere Kunden im unmittelbaren Kundengespräch und daran wollen wir uns messen lassen. Zukünftig wollen wir auch die Kunden bedürfnisorientiert in den Produktentwicklungsprozess mit einbinden. Diese Kultur macht uns einzigartig und steht in der Tradition unserer genossenschaftlichen Wurzeln.

Tagesgeld.org: Social Media-Aktivitäten als ergänzendes Marketingtool – bei RaboDirect auf jeden Fall mit eingeplant? Und wenn ja, wie?

Klaus Vehns: Unsere Social Media-Aktivitäten stehen noch am Anfang. Für uns ist das kein Verkaufskanal, sondern ein glaubwürdiges und nachhaltiges Dialoginstrument mit unseren Kunden.

Wir wollen unsere Kultur des „Bankings ohne Krawatte“ mit den Menschen teilen, ihre Bedürfnisse hinsichtlich ihrer Sparmotive, des Service und des Produktdesigns austauschen und sie so an den Entscheidungen zur Entwicklung von innovativen Angeboten partizipieren lassen. Damit wollen wir sukzessive unser „Vertrauenskapital“ ausbauen und uns vom Wettbewerb positiv abheben.

Tagesgeld.org: Zum Start lag der Zinssatz für das klassische Tagesgeldkonto bei 2,4 Prozent. Wie lange können Sie dieses Niveau halten? Oder – direkt gefragt – ist dies zunächst ein Lockangebot, mit dem Sie schnell viele Kunden gewinnen wollen?

Klaus Vehns: Der Verzicht auf Lockangebote, Wechsel-Prämien oder Koppelgeschäfte ist für uns ein ganz wichtiges Differenzierungskriterium im Wettbewerb. Das Ziel der RaboDirect ist, mit unserem Zins immer unter den Top 5 der Tagesgeldanbieter in Deutschland zu sein. Dabei wollen wir Zinsen anbieten, die wir nachhaltig offerieren können. Jedoch bewegen auch wir uns nicht im luftleeren Raum, sondern agieren mit flexiblen Zinsen, die sich am Gesamtmarkt orientieren und über die Zeit in beiden Richtungen angepasst werden können.

Tagesgeld.org: Gibt es grundsätzliche Mindest- oder Höchsteinlagen bei Ihnen? Und wie sind die Anlagen bei Ihnen abgesichert?

Klaus Vehns: Bei RaboDirect gibt es weder eine Mindesteinlage noch einen Maximalanlagebetrag. Lediglich bei Festgeld gilt eine Einlage von mindestens 500 Euro und maximal 1 Millionen Euro.
Das Thema Absicherung ist der Kern unseres Geschäfts. RaboDirect Deutschland gehört zur Rabobank. Die holländische Bank gilt als die sicherste nichtstaatliche Bank der Welt und verfügt über beste Ratings. Die Einlagen unterliegen entsprechend den EU-Verbraucherschutzrichtlinien dem niederländischen Einlagensicherungsfonds, das bedeutet: 100.000 Euro je Anleger sind abgesichert.

Tagesgeld.org: Abschließend eine Frage, die ich derzeit allen Finanzspezialisten stelle: Wie ist Ihre ganz persönliche Prognose für den Euro-Währungsraum?

Klaus Vehns: Der Euro ist nicht das Problem, sondern die Haushaltspolitik einzelner Staaten. Insgesamt profitiert der Wirtschaftsraum von einer einheitlichen Währung und die Kosten für eine Auflösung des gemeinsamen Währungsraums stehen in keinem Verhältnis für den bislang unbekannten Nutzen.

Die derzeitige Situation hat uns die Defizite des Euro-Konstruktes deutlich gemacht. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir uns nicht in einem statischen Raum befinden, sondern – ähnlich wie Unternehmen – auch organisatorische Anpassungen vornehmen müssen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Dass derartige dynamische Prozesse auch den Status-Quo verändern werden, sollten wir nicht als Desaster, sondern als Weiterentwicklung annehmen. Als Fazit also ein Euro-Währungsraum, der zukünftig anders aussehen wird, aber bestehen bleibt.

 

Über RaboDirect:

RaboDirect gehört zur genossenschaftlich organisierten holländischen Rabobank-Gruppe, der führenden Bank der Niederlande. Gegründet wurde diese 1896 als landwirtschaftliche Genossenschaftsbank und basiert auf der Idee von Raiffeisen. Inzwischen ist die Gruppe in 47 Ländern mit über 10 Millionen Kunden und 60.000 Mitarbeitern vertreten und verfügt über Einlagen von rund 330 Milliarden Euro. In Deutschland beschränkte sich das Angebot zunächst auf Firmenkunden. Bereits seit 1984 ist die Bank dabei vor allem auf Finanzierungsmodelle im Agrar- und Nahrungsmittelsektor spezialisiert.

Nach Australien, Belgien, Irland, Neuseeland und Polen ist Deutschland nun aber der fünfte internationale Standort, an dem die holländische Finanzgruppe im Online-Banking-Segment aktiv ist. Die Betreuung der Kunden von RaboDirect Deutschland erfolgt online und per Telefon von Frankfurt aus. Angeboten werden dabei gegenwärtig vier Sparprodukte: RaboTagesgeld (mit täglicher Verfügbarkeit der Spareinlage), RaboSpar30 und 90 (mit neuartiger 30- bzw. 90-tägiger Verfügbarkeit) sowie RaboFestgeld für langfristige Anlagen.

Das Interview führte Wilma Bögel. Bildquellen: RaboDirect

Dieser Artikel wurde am 15.08.2012 veröffentlicht. Weitere Artikel finden Sie im News-Archiv und Meldungen über Zinsanpassungen in den Kurz-News.

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