Girokonto

Eines der bekanntesten Finanzprodukte, neben dem Sparbuch und dem Tagesgeldkonto, ist das Girokonto. Der Begriff „giro“ stammt dabei aus dem italienischen und bedeutet so viel wie „Kreislauf“ oder „im Kreis“. Ohne ein Girokonto ist ein Leben in der modernen Gesellschaft nicht mehr vorstellbar und realisierbar. Die Miete, Lohn & Gehalt, bargeldloses Bezahlen in Restaurants und Geschäften oder die Abbuchungen von Steuern und Stromkosten sind nur einige Posten, die auf den meisten Girokonten auftauchen.

Der Wandel im Lauf der Geschichte

Geschichtlich findet das Girokonto im 11. Jahrhundert seinen Ursprung. Mit den heutigen Funktionen war die damalige Form nicht ansatzweise zu vergleichen, vielmehr wurden Verrechnungskonten eingerichtet oder im regionalen Bankengeschäft mündlich Überweisungen angeordnet.

Der Durchbruch des Girokontos entstand in den 1960er und 1970er Jahren. Anstatt den üblichen Lohntüten, sprich Barauszahlungen des Lohns vom Arbeitgeber zum Monatsende, wurden immer mehr Angestellt aufgefordert ein Girokonto bei einer Bank zu eröffnen. Die Kreditinstitute sahen sich vor einem großen Ansturm und richteten Ihre Politik zunehmend auf Privatkunden aus.

Zunehmende Bedeutung für Girokonten von Direktbanken

Ein Großteil der Bundesbürger besitzt ein Girokonto bei der Hausbank, beispielsweise der Sparkasse, der Volksbank oder bei Privatbanken wie der Commerzbank oder der Deutschen Bank. Seit Ende der 1990er Jahre sorgen so genannte Direktbanken (Banken die ausschließlich Online agieren) für zunehmenden Konkurrenzkampf im Finanzbereich.

Während die klassischen Banken Kontoführungsgebühren von 5 Euro oder mehr pro Monat berechnen, werden die Konten der Direktbanken in vielen Fällen vollkommen kostenlos angeboten. Ein kostenloses Girokonto einer Direktbank bietet identische Funktionen wie die Angebote der Filialbanken, lediglich die Kommunikation mit dem Unternehmen erfolgt per Telefon, per Email oder per Post und nicht mit einem persönlichen Ansprechpartner. Besonders ältere Menschen schätzen jedoch die Beratung und Hilfestellung in den Bankfilialen.

Dennoch lässt sich ein großer Zuspruch für kostenlose Girokonten erkennen. Die Comdirect, eine der ersten Direktbanken, zählt im Oktober 2009 insgesamt 520.403 geführte Girokonten. Im Oktober 2008 waren es erst lediglich 388.400 Girokonto Kunden. Innerhalb von nur 12 Monaten konnte die Bank somit mehr als 130.000 Neukunden, alleine für das Girokonto, gewinnen. Die Zahlen anderer Direktbanken zeigen einen ähnlichen Trend.

Geschäftskonten weiterhin als klassische Variante

Der Wechsel einer Privatperson von einer Filialbank zu einer Direktbank ist sicherlich nicht ohne Aufwand verbunden. Nochmals deutlich mehr Aufwand müssen hingegen Unternehmen betreiben, um die Bank für das Geschäftskonto zu wechseln. Bislang führen nur wenige Unternehmen ihre Konten bei Geschäftsbanken, obwohl die Kosten mit beispielsweise 0,15 Euro pro Überweisung und zusätzlichen monatlichen Grundgebühren alles andere als gering sind.

Besonders mittelständische und große Unternehmen sind auf Ansprechpartner bei der Hausbank angewiesen. Sei es für neue Investitionen, für Lastschrifteinzüge oder den Börsengang. Einen solchen Service bieten Direktbanken (noch) nicht professionell genug an.