Wo ist mein Geld noch sicher – Anleger über Sparprodukte zu wenig informiert

sparenDer Finanzplatz Deutschland kann dem Anleger mit Recht als ein nicht leicht undurchschaubares Chaos erscheinen – nicht zuletzt aufgrund der derzeit weit verbreiteten Unsicherheit in Bezug auf den Euro. Galt es vor einigen Jahren noch, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften, so ist der Sparer heute schon glücklich, wenn sein Anlagezins zumindest den Inflationsverlust deckt.

Eine aktuelle Umfrage des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) belegt, dass die meisten Deutschen in Vertrauen auf eine sichere Anlage klassische Sparformen bevorzugen. Nach Sparbuch, Lebensversicherung und Bausparvertrag findet sich jedoch mit 33 Prozent die doch recht junge Sparvariante „Tagesgeld“ auf Platz 4; gefolgt von Investmentsfonds mit 26 Prozent.

Ökonomische Aufklärung ist zukunftsweisend

Die Möglichkeiten Spar- und Investmentanlagen zu tätigen, sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Viele Anleger sind folgend mit der Auswahl des für sie optimalen Produkts überfordert. „Es gilt daher, mehr Menschen über grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge zu informieren“, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. Denn die Sorge um das eigene Geld beruht zu einem großen Teil auf der Unwissenheit über die Funktionsweise der entsprechenden Spar- und Investmentanlagen.

Um bereits die nachrückende Generation für eben diese und weitere Themen aus der Finanz- und Wirtschaftswelt zu sensibilisieren, hat der BVI bereits im Jahr 2006 eine eigene Bildungsinitiative ins Leben gerufen. Hoch im Kurs heißt die entsprechende Lehrbroschüre zur ökonomischen Bildung, die landesweit kostenlos vom Lehrpersonal angefordert werden kann.

Für jeden das richtige Produkt

Aber auch für der Schulbank entkommene Sparer lohnt es sich, die Funktionsweise der einzelnen Anlageformen zu kennen. Denn nur so können Sie eine optimale Wahl in Bezug auf das passende Sparprodukt treffen. Folgend finden Sie die wichtigsten Fakten über die drei neben dem Tagesgeld beliebtesten Anlagemöglichkeiten der Deutschen.

Vergleichen Sie diese mit den Vor- und Nachteilen des Tagesgeldkontos und entscheiden Sie ganz in Ruhe, welche Variante zu Ihnen, Ihrer Lebenssituation und Ihren Wünschen passt.   

Der ewige Kassenschlager – das Sparbuch

sparbuch

Zu den beliebtesten Geldanlagen zählt unverändert das Sparbuch.

Der Oldie unter den Anlageformen gehört zu den kreditähnlichen Sparvarianten. Das Prinzip ist dabei gänzlich einfach: Sie verleihen Ihr Geld an die Bank, die Ihnen dafür in Form eines Sparbuchs – heute bevorzugt papierlos und online – einen Schuldschein gibt und Zinsen zahlt.

Letztere legt dabei die Bank fest, wobei sie sich am so genannten Spareckzins orientiert. Dies ist der landesweit geltende Satz für Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten. Die Zinsausschüttung erfolgt einmal im Jahr zum immer gleichen Stichtag.

Positiv Negativ
-Ein- und auch Auszahlungen sind jederzeit möglich, auch am Geldautomaten -Geringe Rendite (derzeit zwischen ca. 0,2 und max. 2,4 % bei Direktbanken)
-Durch den Einlagensicherungsfonds gedeckt -Monatlich limitierter Verfügungsrahmen von EUR 2.000, höhere Summen müssen angemeldet werden
-Keine Mindest- oder Höchsteinlage -Kündigungsfrist 3 Monate

Sicherheit für die Lieben – die Kapital-Lebensversicherung

familie

Kapital-Lebensversicherung für die Absicherung der Familie.

In der Regel ist die Kapital-Lebensversicherung eine Kombination aus Sparvertrag und Absicherung im Todesfall. Für den Sparanteil erhalten Sie von der Versicherung einen Garantiezins über die meist Jahrzehnte dauernde Laufzeit; nach Ende dieser können Sie sich im Erlebensfall die komplette Summe ausbezahlen lassen. Würden während der Laufzeit jedoch ihr Tod eintreten, erhielten Ihre Hinterbliebenen einen Teil der bis dahin angesparten Summe.

Das Problem bei Lebensversicherung sind aber die oft sehr hohen Nebenkosten, die über die Jahre einen großen Teil des Gewinns verschlingen. Daher sollten Sie beim Abschluss die Angebote der einzelnen Versicherung gut miteinander vergleichen. Experten selber raten in der Regel sogar von Kapital-Versicherungen ab und empfehlen, Sparvertrag und Absicherung im Todesfall zu trennen. Ihr Tipp: Das Geld zur Bank und die Versicherung zur Versicherung. Eine ausreichende, reine Hinterbliebenen-Versicherung gibt es dabei bereits ab monatlich ca. 12 Euro.

Positiv Negativ
-Garantiezins und hohe Sicherheit der Anlage -Hohe Nebenkosten (Verwaltungs- und Provisionskosten, Risikokosten)
-Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall -In den meisten Fällen Abschluss nur nach Gesundheitsprüfung möglich
-Prämien können direkt vom Bruttogehalt abgezogen werden, so dass sich steuerliche Vorteile ergeben -Fehlende Flexibilität, oftmals Jahrzehntelange Vertragslaufzeiten, vorzeitige Auflösung ist mit hohen Verlusten verbunden
-Geringe Zinsen im Vergleich mit anderen Sparanlagen

Staat und Chef sparen mit – der Renditebausparvertrag

Grundsätzlich als Ansparplan für Bauvorhaben entwickelt, bieten viele Finanzinstitute eine Abwandlung des klassischen Bausparvertrags an. Dieser sogenannte Renditebausparvertrag zielt auf die reine Vermögensbildung ab und hat in der Regel eine Laufzeit von sieben Jahren. Diese ist notwendig, um die staatlichen Zuschüsse zu erhalten.

Grundsätzlich ist dieses Produkt keine schlechte Anlageform, doch liegen die Stolpersteine hier bei der Wahl des richtigen Anbieters. Da sich die Provision des Agenten ganz oder teilweise an der Höhe der definierten Endsumme orientiert, versucht er diese natürlich möglichst hoch anzusetzen. Sie sollte jedoch darauf achten, dass die Endsumme etwas das 120-fache, maximal das 125-fache Ihrer monatlichen Rate beträgt. Weiterer Knackpunkt: Zudem berechnen einige Anbieter eine Abschlussgebühr von 1-1,6 Prozent der finalen Summe und erheben regelmäßig zu zahlende Kontoführungsgebühren. Da der Tag der Ausschüttung von den Banken nicht terminiert werden darf, werden Sie in Ihrem Vertrag zudem immer den Zusatz „prognostiziert“ oder „geschätzt“ finden. Kalkulieren Sie daher eine Zeitverzögerung bei der Auszahlung ein.

Positiv Negativ
-Zinsgarantie auf den bei Abschluss festgesetzten Satz -Eventuell Abschluss- oder Kontoführungsgebühren
-Staatliche oder vom Arbeitgeber getragene Zuschüsse -Mit sieben Jahren eine relativ lange Laufzeit, wenn Sie die staatlichen Zuschüsse erhalten möchten
-Sichere Anlageform -Keine sicher terminierte Ausschüttung
-Rechnet sich in der Regel nur für Personen, die genannten Zuschüsse erhalten

 

Artikel von Wilma Bögel
Bildquellen: © contrastwerkstatt, khausst, wildworx – fotolia.com

Dieser Artikel wurde am 11.09.2012 veröffentlicht. Weitere Artikel finden Sie im News-Archiv und Meldungen über Zinsanpassungen in den Kurz-News.

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