FestgeldPLUS von Savedo: Finanzwette oder seriöse Anlage?

Wette mit Festgeld auf den Dax

Unverändert kennen die Tagesgeldzinsen nur eine Richtung: nach unten. Während das Festgeld bislang eine gute Alternative darstellte, kam es auch hier in den letzten Wochen zu negativen Korrekturen. Jetzt wirbt der Zinsmarktplatz Savedo mit dem neuen Produkt „FestgeldPLUS“ und verspricht in Kooperation mit der portugiesischen Bank BiG bis zu 3,15% Zinsen, bei nur 12 Monaten Laufzeit. Tagesgeld.org hat sich das Angebot genauer angesehen.

Update: Nach der Pausierung zum 27.03.2017 ist das FestgeldPLUS Angebot seit dem 29.05.2017 wieder verfügbar. Im Vergleich zur letzten Aktion sind aktuell bis zu 2,75% Zinsen erzielbar. Weitere Informationen finden Sie direkt bei Savedo. Dieser Artikel wurde nicht auf die neuen Konditionen angepasst.

Festgeld-Exkurs: Wer sich für eine Festgeldanlage entscheidet, legt einen bestimmten Geldbetrag (z.B. 20.000€) für eine bestimmte Laufzeit (z.B. 12 Monate) zu festgeschriebenenKonditionen (z.B. 1,10%) an. Anleger wissen bereits mit der Kontoeröffnung, wann das Ersparte wieder zur Verfügung steht und welche Rendite sie erzielen werden. Maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der Verzinsung hat der durch die Europäische Zentralbank festgelegte Leitzins.

So funktioniert das FestgeldPLUS

Anleger parken via Savedo bei der BiG 2.500€ (Mindesteinlage) bis 100.000€ (Maximaleinlage) für 12 Monate. Hierbei kann zwischen den Produkten „FestgeldPLUS German Values“ und „FestgeldPLUS Auto Luxury“ gewählt werden. Das erste Konto verspricht eine Verzinsung von maximal 2,75%. Das zweite Konto wird im besten Fall mit 3,15% verzinst. Für ein 12-Monats Festgeld sind dies überdurchschnittlich gute Konditionen, bei denen Verbraucher skeptisch werden sollten. Warum die Verzinsung so hoch, ist schnell geklärt: Die Rendite ist an die Entwicklung von Aktienkursen gekoppelt.

Die angepriesenen 2,75% Zinsen aus dem FestgeldPLUS German Values werden nur dann gezahlt, wenn die Aktienkurse von SAP, Siemens, Bayer und BASF am 03.04.2018 höher notieren als am 10.04.2017. Ist nur eine dieser Aktien zum Stichtag in 2018 weniger wert als zum Stichtag in 2017, müssen sich Anleger mit 0,20% Zinsen zufriedengeben. Noch drastischer sieht es beim „FestgeldPLUS Auto Luxury“ aus. Ist nur eine der Aktien von Tesla, BMW, Ferrari oder Porsche am 03.04.2018 weniger Wert als am 10.04.2017, wird das Guthaben ohne Verzinsung ausgezahlt.

Szenarien der letzten Jahre: So hätte das FestgeldPLUS abgeschnitten

Auch wenn Börsenexperten davon abraten historische Kurse als Basis für ein Investment heranzuziehen, hat uns die Frage interessiert, ob Anleger mit dem FestgeldPLUS in den letzten Jahren tatsächlich eine Rendite von bis zu 3,15% erzielt hätten oder leer ausgegangen wären.

festgeld von savedo

Das Ergebnis: Ein Investment in das „DAX-Festgeld“ wäre in drei Fällen mit 0,20% ausgegangen, da mindestens eine Aktie niedriger notierte als 12 Monate zuvor. In zwei Fällen hätten Verbraucher eine Verzinsung von 2,75% erhalten – in diesen Situation wäre an der Börse eine Rendite von rund 20% erzielt worden.

rendite bei savedo und der börse

Das Ergebnis: Auch für das „Auto-Festgeld“ gilt, dass Anleger zweimal die Höchstverzinsung erhalten hätten, in drei Fällen hätte allerdings keine Verzinsung stattgefunden. Bei einem Direktinvestment wären bis zu 100% Rendite erzielbar gewesen, aufgrund des rasanten Kursanstiegs Teslas.

Anmerkungen: Es wurde jeweils der 1. Handelstag im April eines Jahres betrachtet. Als Grundlage gelten die Schlusskurse des jeweiligen Tages an der Frankfurter Börse. Nicht berücksichtigt wurde die Aktie von Ferrari, da diese erst seit Oktober 2015 an der Börse notiert ist.

Fazit: Keine Empfehlung

Tagesgeld.org rät tendenziell vom FestgeldPLUS Konto ab, da das Produkt mehr Wette als Geldanlage ist. Die Gründe, weshalb es das Produkt nicht in unseren Zinsvergleich schafft und wir keine Empfehlung aussprechen sind vielfältig. Die Wichtigsten:

  1. Ist nur eine der jeweils vier Aktien im nächsten Jahr schlechter bewertet als zum Anlagestart, schrumpft die Verzinsung auf 0 bis 0,20%. Anleger begeben sich hiermit in eine große Abhängigkeit.
  2. Wer an steigende Aktienkurse glaubt, sollte ein Direktinvestment in Betracht ziehen. Dann spielt eine Bewertung zu einem Stichtag keine Rolle und die Rendite ist tendenziell höher. Aber Achtung: Im Vergleich zum FestgeldPLUS können Sie Geld verlieren.
  3. Wer mit fallenden Aktienkursen rechnet sollte ohnehin zu einem klassischen Festgeldkonto greifen.
  4. Die Angabe bzgl. der Bewertung zum Stichtag ist unpräzise. Beispiele: Gelten am Stichtag der Eröffnungskurs, der Schlusskurs, der Kurs zum 12:00 Uhr? Welche Börse wird berücksichtigt? Bei der Entscheidung ob Anleger 3,15% oder 0% Zinsen erhalten, können minimale Kursdifferenzen ausschlaggebend sein. Update: Siehe Statement von Savedo
  5. Das Angebot ist bis zum 26.03.2017 befristet, ein großer Countdown auf der Website von Savedo weißt hierauf hin. Für uns gilt: Egal ob Tagesgeld, Festgeld oder Wertpapiere, eine Anlage sollte immer genau durchdacht und überlegt sein. Geldentscheidungen sollten nicht unter Zeitdruck erfolgen.

Update: Savedo hat uns folgendes Statement übermittelt

„Am 10. April 2017 werden die Startpreise der Basiswerte bestimmt und den Anlegern über das Savedo Online-Banking kommuniziert. Diese Preise gelten als Referenzpreise für die Berechnung der Verzinsung zum Laufzeitende. Sie werden nach den Schlusskursen der Börsen, an denen sie primär gelistet sind, bestimmt: Tesla – Nasdaq, Ferrari – Borsa Italiana. Die restlichen Basiswerte richten sich nach der Frankfurter Börse. Am 3. April 2018 werden die Preise der Basiswerte erneut bestimmt, wie bereits oben beschrieben.“

Dieser Artikel wurde am 08.03.2017 veröffentlicht. Weitere Artikel finden Sie im News-Archiv und Meldungen über Zinsanpassungen in den Kurz-News.

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