Einlagensicherung der privaten Banken: Garantiesumme auf dem absteigenden Ast

Reform der EinlagensicherungTagesgeldkonten stehen für Flexibilität, aber auch für garantierte Sicherheit. Denn egal ob Direkt- oder Filialbank, alle Finanzinstitute mit deutscher Banklizenz und privater Rechtsform werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – BaFin überwacht und unterliegen der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB). Für Sie als Kunde bedeutet dies: Bis zu einer Anlagesumme von 100.000 Euro würden Sie selbst bei einem Untergang der Bank jeden Cent erstattet bekommen.

Vielen Instituten ist dies jedoch noch nicht Sicherheit genug. Sie gehören zusätzlich dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken – BdB an. Bislang war Ihr Guthaben so zusätzlich bis zu einer Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank abgesichert. Jetzt aber wird die Sicherungsgrenze in Etappen bis zum Jahr 2025 auf 8,75 Prozent gesenkt. Für neu aufgenommene Institute gilt weiterhin: In den ersten drei Jahren bürgt der Fonds nur für 250.000 Euro. Tagesgeld.org klärt, was die Reform für Sie als Kunde bedeutet. 

Was ist …

Gesetzliche EinlagensicherungDem 1976 ins Leben gerufenen Einlagensicherungsfonds des BdB gehören derzeit – auf freiwilliger Basis – 170 Kreditinstitute an. Diese zahlen eine jährliche Umlange in den Fonds ein, dessen Höhe bei 0,6 Promille der Bilanzposition „Verbindlichkeit gegenüber Kunden“ des jeweiligen Jahresabschlusses liegt. Kommt es zu einem Schadensfall, in der Regel der Insolvenz der Bank, steht zunächst die EdB für alle Rückzahlungen, welche die 100.000 Euro-Grenze nicht überschreiten, gerade.

Sind die angelegten Summen höher, kommt der Fonds für die Erstattung bis zur jeweiligen Sicherungsgrenze auf. Im Gegenzug tritt der Einlagensicherungsfonds als Gläubiger im jeweiligen Insolvenzverfahren auf und erhält so einen Teil seiner Entschädigungsleistungen zurück.

Geschützt sind durch den Fonds des Bankenverbandes Girokonten, Sparbücher, Termingelder und Festgelder sowie Sparbriefe, die auf den Namen des Kunden laufen.

Was wird …

Bislang entspricht die Sicherungsgrenze 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des jeweiligen Bankinstitutes. Bei einem Mindesteigenkapital von 5 Millionen Euro – wie es im Gesetz des Kreditwesens – KWG unter § 32 und § 33 gesetzlich vorgegeben ist – sind bei den kleinsten Banken also pro Anleger 1,5 Millionen Euro geschützt.

„Die Grenze von 30 Prozent gilt seit der Gründung des Einlagensicherungsfonds im Jahr 1976“, erklärt Tanja Beller, Pressesprecherin beim BdB. „In der Zwischenzeit hat sich die Bankenwelt aber erheblich verändert. Viele Banken sind heute deutlich größer und daher auch mit deutlich mehr Eigenkapital ausgestattet als damals. Damit sind auch die Sicherungsgrenzen in den letzten 35 Jahren erheblich gestiegen. Um den Fonds für zukünftige Herausforderungen besser aufzustellen und den Kunden auch weiterhin glaubhaft den besten Schutz für ihre Spareinlagen zu bieten, wurde die Reform notwendig.“

Die neue EinlagensicherungAb dem 1. Januar 2015 wird die Grenze daher nun auf 20 Prozent gesenkt, was bei einer Bank mit dem Mindesteigenkapital immer noch eine Summe von 1 Millionen Euro bedeutet. 2020 folgt dann die nächste Anpassung auf 15 Prozent (entspricht mind. 750.000 Euro) und 2025 die letzte Senkung auf 8,75 Prozent (entspricht mind. 437.500 Euro). Die Grenze für neu aufgenommene Institute bleibt in den ersten drei Jahren bei pauschal 250.000 Euro. Zweigniederlassungen ausländischer Banken werden wie die deutschen Institute zuerst über die im jeweiligen Land geltenden gesetzlichen Einlagensicherungs-Organe gedeckt; danach zahlt der Einlagensicherungsfonds des BdB.

Interessierte Anleger können hier prüfen, welche Banken dem Einlagensicherungsfonds des BdB angehören. Ebenso gibt der Verband auf Anfrage die jeweils aktuelle Sicherungsgrenze einer Mitgliedsbank bekannt.

Was es bedeutet ….

Für Kleinanleger ist die Reform nicht wirklich von Bedeutung, erreichen sie in der Regel oftmals nicht einmal die durch den gesetzlich geregelten Einlagenschutz vorgegebene Summe von 100.000 Euro. Sparern mit einem großen Portemonnaie stellt sich aber nun die Frage: Ist es für sie nun ratsam ihr Geld auf verschiedene Institute zu verteilen?

Dazu die Expertin vom Bundesverband: „Privatkunden genießen weiterhin einen sehr hohen Einlagenschutz. So werden nach 2025 mehr als ein Drittel aller privaten Banken einen hohen Schutz mit einer Sicherungsgrenze über 25 Millionen Euro anbieten können. Die niedrigste Sicherungsgrenze, die heute bei 1,5 Millionen Euro liegt, wird ab 1. Januar 2025 immer noch 437.500 Euro pro Kunde betragen. Mit diesem Schutzniveau werden auch weiterhin selbst höhere Einlagen, die beispielsweise aus einem Hausverkauf oder der Auszahlung einer Lebensversicherung resultieren, in der Regel komplett geschützt sein.“

Und auch das Szenario, dass die Insolvenz den Topf des Einlagensicherungsfonds der BdB komplett erschöpfen würde, ist unwahrscheinlich. „Der Einlagensicherungsfonds besteht seit über 30 Jahren und wird durch regelmäßige Zahlungen der teilnehmenden Banken gespeist“, sagt Tanja Beller. „Zudem besteht eine Nachschusspflicht für die Mitglieder. Hinter dem Fonds steht nahezu die gesamte private Kreditwirtschaft in Deutschland. Bisher wurden in allen Fällen die Kunden zu 100 % entschädigt.“

Unser Fazit: Die Reform ist die logische Konsequenz aus den Ereignissen der letzten Jahre. Sie als Kunde aber müssen sich keine Sorgen machen, dass Ihre Anlagen auf einem Tagesgeldkonto nun weniger abgesichert sind. Die flexible Sparvariante ist damit weiterhin und dauerhaft empfehlenswert.


Artikel von Wilma Bögel

Dieser Artikel wurde am 20.03.2012 veröffentlicht. Weitere Artikel finden Sie im News-Archiv und Meldungen über Zinsanpassungen in den Kurz-News.

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